In der medizinischen Praxis zeigt sich bei Gewichtsreduktion oft eine Diskrepanz zwischen Aufwand und Ergebnis. Patientinnen und Patienten bewegen sich mehr, ernähren sich bewusst und sind hoch motiviert – und doch bleibt das Körpergewicht stabil Frust kann sich dann auch auf ärztlicher Seite zeigen, denn nicht selten
Denkfehler 1: Gewicht ist ein schleicht sich der Verdacht sein, dass es an Disziplin mangelt. Häufig liegt der Denkfehler jedoch woanders.valider Marker für Therapieerfolg.
Das Körpergewicht ist leicht zu messen, aber es sagt wenig über Fettverteilung, Insulinsensitivität, Entzündungsstatus oder kardiometabolisches Risiko aus. Zahlreiche Interventionen verbessern genau diese Parameter, ohne dass sich die Waage nennenswert bewegt. Wird Erfolg ausschließlich am Gewicht gemessen, bleiben relevante gesundheitliche Effekte unsichtbar – und wirksame Maßnahmen gelten fälschlicherweise als gescheitert.
Denkfehler 2: Mehr Aufwand führt zu mehr Gewichtsverlust.
Die Annahme klingt plausibel, hält der Praxis jedoch häufig nicht stand. Bei einem Energiedefizit setzt eine physiologische Gegenregulation ein: Der Ruheenergieverbrauch sinkt. Gleichzeitig verändern sich Verhalten und Befinden – Betroffene bewegen sich außerhalb geplanter Aktivität unbewusst weniger, etwa durch mehr Sitzen oder geringere spontane Bewegung. Ein Teil des Defizits wird so wieder ausgeglichen. Mehr Einsatz führt daher nicht automatisch zu mehr Gewichtsverlust.
Denkfehler 3: Abnehmen ist vor allem ein Verhaltensproblem.
Diese Sichtweise überschätzt die Willenskraft und unterschätzt die Biologie – und damit auch die psychische Belastung. Studien zeigen, dass der Körper Gewicht und Fettmasse aktiv mitreguliert. Hunger, Energieverbrauch und Speicherung passen sich an die Ernährungssituation an, unabhängig von Motivation, Einsicht oder guten Vorsätzen. Für viele Betroffene fühlt sich ausbleibender Erfolg deshalb wie persönliches Versagen an, obwohl es sich um eine biologische Reaktion handelt.
Kommt Ihnen das aus der Praxis bekannt vor?
Drei Denkfehler, viele enttäuschte Erwartungen. In den folgenden Beiträgen ordnen wir diese Erkenntnisse evidenzbasiert ein.
Weitere Infos: Müller MJ, Bosy-Westphal A. Adaptive thermogenesis with weight loss in humans. Obesity (Silver Spring). 2013;21(2):218–228.
