„Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann“ – die alte Ernährungsregel klingt eher nach Großmutters Küche als nach moderner Stoffwechselforschung. Ganz aus der Luft gegriffen ist sie offenbar trotzdem nicht. Denn der Körper verarbeitet eine Mahlzeit morgens energetisch anders als abends.
Wenn die innere Uhr mitisst
Nach dem Essen steigt der Energieverbrauch vorübergehend an: Verdauung, Aufnahme, Transport und Speicherung der Nährstoffe kosten Energie. Diese nahrungsinduzierte Thermogenese – kurz DIT – unterliegt offenbar einem eigenen zirkadianen Rhythmus.
Das zeigt eine aktuelle Studie mit 16 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas. Um den Einfluss der inneren Uhr möglichst sauber von Schlaf, Bewegung, Licht und gewöhnlichen Essenszeiten zu trennen, verbrachten die Teilnehmenden 36 Stunden unter streng kontrollierten Bedingungen und erhielten alle sechs Stunden identische Mahlzeiten. Die DIT erreichte ihr Maximum am biologischen Morgen und ihr Minimum am Abend. Die Differenz zwischen Höchst- und Tiefstwert betrug zunächst 44 Prozent; nach Berücksichtigung des ebenfalls zirkadian schwankenden Ruheenergieverbrauchs blieben rund 29 Prozent übrig.
Morgens essen, schneller abnehmen?
Eine neue Erkenntnis ist dieser Effekt allerdings nicht. Bereits frühere Untersuchungen fanden nach identischen Mahlzeiten morgens eine höhere Thermogenese als abends. Eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab etwa das 2,5‑fache.
Das ist allerdings trotz allem keine Jubelnachricht für Diätwillige: Rechnet man den ohnehin tageszeitabhängigen Energieverbrauch des Körpers heraus, bleiben gerade einmal rund 7 kcal innerhalb von vier Stunden übrig – eine Größenordnung, die auf der Waage praktisch verpufft. Allein ein kaiserliches Frühstück wird damit also noch lange nicht zum Abnehmturbo. Die Ergebnisse liefern aber einen weiteren Hinweis darauf, dass für den Stoffwechsel nicht nur zählt, was und wie viel wir essen – sondern möglicherweise auch, wann. Und sie zeigen einmal mehr, wie viele Stellschrauben beim Abnehmen zusammenkommen.
