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Graue Tage, träger Kopf: Macht uns wenig Sonnen­licht tatsäch­lich langsamer?

Draußen ist es grau, um vier wird es dunkel. Wieso eigent­lich fällt mir der Name des Kollegen, dem ich seit drei Jahren in der Kaffee­küche begegne, erst beim dritten Anlauf ein? Liegt es nun an mir – oder am Oktober?

Für die Ausrede Herbst gibt es jetzt ein neues Argu­ment. Forschende der Univer­sity of Edin­burgh haben unter­sucht, ob sich die Menge an Sonnen­licht kurz­fristig auf unsere geis­tige Leis­tungs­fä­hig­keit auswirkt. Dafür verknüpften sie Daten aus zwei großen briti­schen Kohorten mit der Sonnen­strah­lung am Tag eines kogni­tiven Tests und am Tag davor. Insge­samt flossen Ergeb­nisse von Zehn­tau­senden Erwach­senen und Jugend­li­chen ein.

Wörter ja, Zahlen nein

Wenn es an diesen beiden Tagen mehr Sonnen­schein gab, lief es tatsäch­lich besser. Bei Erwach­senen betraf das unter anderem das unmit­tel­bare und verzö­gerte Erin­nern von Wörtern sowie die sprach­liche Flüs­sig­keit. Bei Jugend­li­chen zeigten sich Zusam­men­hänge beim Lese­ver­ständnis und in Mathe­matik. Ausge­rechnet bei Zahlen­reihen ließ sich bei den Erwach­senen dagegen kein Effekt erkennen. Offenbar lässt sich zumin­dest dieser Teil des Gehirns vom Wetter nicht beeindrucken.

Am stärksten waren die Zusam­men­hänge bei nied­riger Sonnen­strah­lung — wie typi­scher­weise im Winter und teil­weise im Herbst. Bei höheren Werten flachte die Kurve ab. Mehr Sonne machte also das Gehirn nicht unbe­grenzt leistungsfähiger.

Licht an fürs Gehirn?

Und warum hilft Licht denn nun? Even­tuell spielen der zirka­diane Rhythmus, die Stim­mung und die Frei­set­zung von Stick­stoff­mon­oxid, das auch an der Regu­la­tion der Hirn­durch­blu­tung betei­ligt ist, eine Rolle. Vitamin D ist als Erklä­rung für einen Effekt inner­halb weniger Tage dagegen wenig plausibel.

Achtung, die Studie ist beob­ach­tend und beweist nicht, dass ein Spazier­gang bei Sonnen­schein den Kopf unmit­telbar auf Touren bringt. Sie liefert aber eine ausge­spro­chen gesund­heits­freund­liche Arbeits­hy­po­these für den Herbst: Wenn heute gar nichts mehr geht, viel­leicht erst einmal raus. Und die letzte im Büro geschrie­bene Zahlen­reihe hinterher viel­leicht noch mal kontrollieren.

 

Stevenson A & Dibben C. Acute lack of sunlight expo­sure is asso­ciated with poorer cogni­tive test perfor­mance: evidence from two national cohorts in the United Kingdom. Photo­chem Photo­biol Sci 2026.