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Die Genetik spielt mit – Warum Semaglutid & Co. nicht bei allen gleich gut wirken

GLP-1-Rezep­to­r­ago­nisten gehören zu den Erfolgs­ge­schichten der modernen Diabe­to­logie. Sie senken den HbA1c, unter­stützen die Gewichts­re­duk­tion und bieten – je nach Substanz und Risi­ko­profil – kardio­me­ta­bo­li­sche Zusatz­nutzen. Trotzdem bleibt in der Praxis ein vertrautes Phänomen: Manche Pati­en­tinnen und Pati­enten spre­chen schlechter an als erwartet, obwohl Anwen­dung, Dosis und Thera­pie­dauer stimmen.

Eine aktu­elle Arbeit in Genome Medi­cine liefert dafür eine mögliche gene­ti­sche Erklä­rung. Im Zentrum steht das PAM-Gen, das für die peptidyl-glycine alpha-amida­ting monooxy­ge­nase codiert. Dieses Enzym ist an der Amidie­rung zahl­rei­cher bioak­tiver Peptide betei­ligt – darunter auch GLP‑1. Zwei unter­suchte hypo­morphe PAM-Vari­anten, p.S539W und p.D563G, sind mit einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko asso­zi­iert; zusam­men­ge­nommen trägt sie etwa jeder zehnte Mensch.

Mehr GLP‑1 heißt nicht mehr Wirkung

In der Studie war die PAM-Akti­vität bei Trägern dieser Vari­anten deut­lich redu­ziert: bei p.S539W um etwa 52 %, bei p.D563G um etwa 20 %. Inter­es­san­ter­weise hatten Träger zugleich erhöhte zirku­lie­rende GLP-1-Spiegel. Was zunächst nach einem Vorteil klingt, über­setzt sich jedoch nicht in eine stär­kere Wirkung. Beson­ders bei p.S539W zeigte sich eine redu­zierte endo­gene GLP-1-Sensi­ti­vität – passend zum Konzept einer GLP-1-Resistenz.

Auch die Maus­daten passen zu diesem Bild: Pam-Knockout-Mäuse zeigten eine beschleu­nigte Magen­ent­lee­rung, spra­chen schlechter auf Exendin‑4 an und wiesen eine abge­schwächte Signal­über­tra­gung über den GLP-1-Rezeptor im Pylorus auf.

Was bedeutet das für die Therapie?

Klinisch war der Effekt messbar: In einer Meta­ana­lyse von drei Kohorten mit 1.119 Teil­neh­menden fiel die HbA1c-Senkung unter GLP-1RA-Therapie bei p.S539W-Trägern geringer aus als bei Nicht-Trägern. Für Metformin, Sulfo­nyl­harn­stoffe und DPP-4-Inhi­bi­toren zeigte sich dieser Unter­schied nicht.

Noch ändert das keine Leit­linie. Aber PAM könnte künftig helfen, GLP-1RA-Non-Responder früher zu erkennen – und Thera­pie­ent­schei­dungen weniger nach dem Prinzip „mal sehen, ob es wirkt“ zu treffen.

Umapa­thy­sivam MM et al. Type 2 diabetes risk alleles in peptidyl-glycine alpha-amida­ting monooxy­ge­nase influence GLP‑1 levels and response to GLP‑1 receptor agonists. Genome Medi­cine (2026).