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Fasten ist gut – wenn man das Mikro­biom schützt

Fasten hat medi­zi­nisch ein erstaun­lich gutes Image: weniger Kalo­rien, nied­ri­gere Insu­lin­spiegel, weniger Entzün­dungen, mehr Auto­phagie. Klingt nach meta­bo­li­schem Well­nessur­laub auf Zell­ebene. Doch ausge­rechnet dort, wo viele klas­si­sche Fasten­kuren beson­ders gründ­lich sein wollen, wird es proble­ma­tisch: bei der soge­nannten Darmreinigung.

Cave: Der Darm ist kein Abfluss­rohr, sondern ein Ökosystem. Und wer dieses Ökosystem mit Glau­ber­salz, Bitter­salz, Einläufen oder Kolon­hy­dro­the­rapie „reinigt“, räumt nicht nur vermeint­li­chen Ballast weg, sondern stört auch jene mikro­bielle Infra­struktur, die für Gesund­heit, Immun­mo­du­la­tion und Stoff­wechsel rele­vant ist.

Der unter­schätzte Mitspieler im Stoffwechsel

Kurz­ket­tige Fett­säuren, Vitamine, anti­oxi­da­tive und entzün­dungs­hem­mende Substanzen – das alles produ­ziert das intesti­nale Mikro­biom. Als meta­bo­lisch inter­es­santer Kandidat gilt vor allem Butyrat: Es stabi­li­siert die Darm­bar­riere, wirkt anti­in­flamm­a­to­risch und wird mit güns­tigen Effekten auf das Körper­ge­wicht asso­zi­iert. Ein viel­fäl­tiges Mikro­biom ist damit nicht deko­ra­tives Beiwerk einer gesunden Ernäh­rung, sondern ein wich­tiger funk­tio­neller Mitspieler.

Fasten kann das Mikro­biom günstig beein­flussen. Studien deuten darauf hin, dass Inter­vall­fasten und mehr­tä­gige Fasten­phasen die mikro­bielle Diver­sität erhöhen und nütz­liche Bakte­rien fördern können. Entschei­dend ist aller­dings, was während der Essens­fenster passiert: Wer Inter­vall­fasten mit ballast­stoff­armer Ernäh­rung kombi­niert, macht das Konzept schnell zunichte.

Darm­rei­ni­gung: alte Tradi­tion, neu erkanntes Problem

Viele klas­si­sche Fasten­pro­to­kolle stammen aus einer Zeit, in der das Mikro­biom wissen­schaft­lich noch keine Rolle spielte. Heute wirkt manches daran über­holt. Eine Studie zum zehn­tä­gigen Buch­inger-Heil­fasten – das tradi­tio­nell mit einer Darm­ent­lee­rung beginnt – zeigt, wohin die Reise gehen kann: Entzün­dungs­för­dernde Prote­ob­ak­te­rien nahmen zu, während wich­tige Ballast­stoff-Verwerter wie Rumi­no­coc­caceae abnahmen, ein Effekt, der sich erst nach rund drei Monaten wieder norma­li­siert (Mesnage et al. 2019). Da Fasten und Darm­ent­lee­rung im Buch­inger-Proto­koll untrennbar zusam­men­hängen, lässt die Studie offen, welcher der beiden Faktoren tatsäch­lich der Treiber war – ein Grund mehr, der Vorsorge wegen wenigs­tens auf die Reini­gung zu verzichten. Als „Detox” taugt eine Darm­rei­ni­gung ohnehin nicht: Entgif­tung ist Aufgabe von Leber, Niere – und auch eines intakten Mikrobioms.

Dass das nicht nur kurz­fristig unan­ge­nehm, sondern womög­lich lang­fristig rele­vant ist, legt eine große briti­sche Biobank-Auswer­tung mit über 500.000 Teil­neh­menden nahe: Wer regel­mäßig osmo­ti­sche Abführ­mittel wie Glauber- oder Bitter­salz einnahm, hatte ein deut­lich erhöhtes Demenz­ri­siko (Yang et al. 2023, Neuro­logy). Ob die Abführ­mittel ursäch­lich sind, ist noch offen – aber ein Grund mehr, dem Darm diese Prozedur nicht frei­willig anzutun.

Prak­tisch heißt das: Fasten ja, Brand­ro­dung nein. Sinn­voller sind pflan­zen­be­tonte Mahl­zei­ten­fenster, präbio­ti­sche Ballast­stoffe, Probio­tika und – gegen alte Fasten­folk­lore – Kaffee. In einer großen nieder­län­di­schen Kohor­ten­studie der Univer­sität Groningen zählte Kaffee neben Wein und Tee zu den Getränken, die die Viel­falt der Darm­bak­te­rien am stärksten förderten (Zher­na­kova et al. 2016, Science). Die Darm­flora dürfte es danken.