Was halten wir davon, wenn sich ein Minister seine Rede von einer KI schreiben lässt? Diese Frage wurde erst vor kurzem heiß diskutiert. Allerdings: Spitzenpolitiker verfassen doch ihre Reden ohnehin nicht selbst. Macht es also einen entscheidenden Unterschied, ob ein menschlicher Redenschreiber oder ChatGPT den Stift geschwungen bzw. die Tastatur bedient hat?
Fast zeitgleich ging es in der Literaturwelt um eine ähnliche Frage: Der Horrorroman Shy Girl geriet unter Verdacht, teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden zu sein. Leser analysierten Textpassagen, diskutierten über „typische KI-Muster“ und bemühten KI-Detektoren. Schließlich zog der Verlag das Buch zurück.
Hinter beiden Fällen stehen ähnliche Fragen. Kann man überhaupt zuverlässig erkennen, ob ein Text von einer KI stammt? Und noch grundsätzlicher: Ist es bei jedem Text gleichermaßen wichtig, wer oder was ihn geschrieben hat?
Auf die erste Frage versprechen zumindest diverse KI-Detektoren eine Antwort. Doch genau hier beginnt das Problem. Nun soll eine Blackbox – der KI-Detektor – herausfinden, welche Spuren eine andere Blackbox wie ChatGPT oder Claude in einem Text hinterlassen hat.
Digitales Meinungslotto statt sicheren Nachweises
KI-Detektoren, die versprechen, maschinell erzeugte Texte zu identifizieren, werden von Schulen, Universitäten, Verlagen und Unternehmen bereits eingesetzt. In der Praxis fallen ihre Urteile allerdings oft erschreckend widersprüchlich aus. Wer denselben Text durch mehrere Detektoren laufen lässt, erhält nicht selten völlig unterschiedliche Bewertungen.
Wir haben verschiedene populäre Detektoren mit unterschiedlichen Textformen getestet. Natürlich ist das ist keine wissenschaftliche Untersuchung. Der kleine Praxistest zeigt aber sehr anschaulich, wie vorsichtig man mit den Ergebnissen umgehen sollte.
| ZeroGPT: | AI Detector: | Pangram: | |
| Liedtext, 100 % ChatGPT-generiert | 100 % Human | 82 % Human | 100 % Human |
| Kurzer Sachtext zu Ebbe und Flut, 100 % ChatGPT generiert | 55 % KI 56 % KI nach Bearbeitung durch Humanizer | 95 % Human 75 % Human nach Bearbeitung durch Humanizer | 100 % Human 100 % KI nach Bearbeitung durch Humanizer |
| Medizinischer Newsletter, 100 % selbst geschrieben ohne jede KI-Unterstützung | 93 % KI | 98 % Human | 100 % Human |
Diese Ergebnisse machen deutlich, wieso in seriösen Artikeln, die sich auf die Ergebnisse von KI-Checkern berufen, immer mit Vorsicht formuliert wird. Ein vollständig selbst geschriebener medizinischer Text wurde von einem Tool mit einer Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent als KI-generiert eingestuft. Gleichzeitig galt ein komplett von ChatGPT erstellter Liedtext bei allen drei getesteten Detektoren überwiegend oder vollständig als menschlich geschrieben.
Ganz absurd wird es, wenn jemand den Gebrauch von KI durch KI vertuschen möchte: Sogenannte „Humanizer“ sollen KI-Texte so umformulieren, dass sie menschlicher wirken und von Detektoren nicht mehr erkannt werden. Bei unserem Versuch wurde das Ergebnis jedoch keineswegs verlässlicher. Teilweise stuften die Detektoren den bearbeiteten Text sogar häufiger als KI-generiert ein.
Spätestens hier stellt sich sowieso die Frage, ob der Aufwand nicht größer wird, als den Text von Anfang an selbst sorgfältig zu bearbeiten.
Nicht jeder KI-Einsatz ist gleich zu bewerten
Ist aber nun jeder KI-Einsatz grundsätzlich negativ zu bewerten?
Bei einem Roman erwarten Leser neben einer Handlung auch eine individuelle Stimme, Kreativität und persönliche Entscheidungen des Autors. Die Person, die hinter dem Roman steht, gehört gewissermaßen zum Produkt. Entsprechend sensibel wird reagiert, wenn der Verdacht entsteht, hinter größeren Teilen eines literarischen Textes könnte eine KI stehen.
Bei politischen Reden ist die Lage komplizierter. Dass Spitzenpolitiker ihre Reden häufig nicht selbst schreiben, ist nichts Neues. Trotzdem sollte eine Rede Haltung, Position und Persönlichkeit des Redners transportieren. Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, wer jeden einzelnen Satz formuliert hat. Wichtiger ist, ob der Redner für den Inhalt steht und Verantwortung für das Gesagte übernimmt. Und bei Gedenkreden finden wohl die meisten die Worte einer KI deplatziert.
Für Schulen und Universitäten stellt sich ein anderes Problem. Wenn eine schriftliche Arbeit gerade die eigenständige Fähigkeit zum Recherchieren, Strukturieren und Formulieren bewerten soll, verändert KI-Unterstützung die Prüfungsleistung. Da tun sich weitreichende Probleme auf.
Bei vielen Sachtexten liegt der Schwerpunkt dagegen an anderer Stelle. Ein medizinischer Hintergrundartikel, eine Pressemitteilung oder eine Bedienungsanleitung sollen vor allem fachlich korrekt, verständlich und präzise sein.
Hier kann KI durchaus ein hilfreiches Werkzeug sein: bei der Strukturierung von Informationen, bei Übersetzungen, Zusammenfassungen, Überschriftenvorschlägen oder formalen Prüfungen. Viele Schreibende dürften entsprechende Werkzeuge längst als Assistenz nutzen.
Entscheidend ist, wer die Verantwortung übernimmt
Problematisch wird es aber gerade hier, wenn Ergebnisse einer KI tatsächlich ungeprüft übernommen werden sollten. Die Möglichkeiten einer KI, Fehler oder „Halluzinationen“ zu generieren und sie mit der größten Überzeugung zu präsentieren, sind fast unbegrenzt.
Am Ende des Tages geht es um die fachliche Kontrolle. Wichtig ist, wer die Verantwortung für das Ergebnis übernimmt. Kein Zweifel, die KI kann Recherche, Strukturierung und Textarbeit unterstützen. Fachwissen, Erfahrung, kritisches Denken und sorgfältige Qualitätskontrolle ersetzt sie nicht.
Und für die Neugierigen: Für diesen Artikel gilt
ZeroGTP: 100 % wurde von einem Menschen verfasst
AI Detector: 90% Confident That’s Original
Pangram: 100 % Human Written
